Free your Stuff im Leipzig – Interwiev

Pubblichiamo per esteso l’intervista al gruppo facebook Free Your Stuff Leipzig. Le risposte sono state date per iscritto da uno dei membri a nome di tutto lo staff. L’articolo di riferimento lo trovate qui

Wie ist die Idee von Free Your Staff entstanden?

Die Idee von Free Your Stuff ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. In der Natur des Menschen liegt es vielleicht nicht unbedingt. Aber ich denke, als der Mensch vor vielen Tausenden Jahren die Solidarität entdeckt hat, wurde der Grundstein für Free Your Stuff gelegt. Wann es das weltweit erste Free Your Stuff gab, kann ich gar nicht sagen. Aber spätestens mit den Facebookgruppen sprang der entscheidende Funken Richtung Öl, da sich hier unkompliziert Leute lokal vernetzen können, was im regulären Internetbetrieb nur bedingt möglich ist. Zudem bleibt alles im kleinen Rahmen. Das mag ich sehr.

Was war der Moment des größten Wachstums/der größten Verbreitung der Gruppe?

Ich kann mich erinnern, dass wir im Jahr 2016 irgendwas um die 7.000 Mitglieder hatten. Da waren wir stolz wie Bolle. 2017 waren es dann plötzlich 13.000. Heute stehen wir bei fast 25.000. Das ist stetig gewachsen. Ein besonderes Ereignis gab es nicht. Ich möchte jedoch glauben, dass sich in den letzten 5 Jahren das Verhältnis zu Konsum bei den Leuten geändert hat, im Hinblick auf Kapitalismus und Umwelt. Und so wird das Projekt weiter wachsen.

Gibt es eine zentrale Koordination (in Deutschland oder Europa/Welt) und gemeinsame Regeln, oder hat jede Gruppe ihre eigenen Regeln? Und was sind diese Regeln?

Free Your Stuff ist kein geschützter Begriff. Es gibt eine Internetseite, die diesen Namen nutzt. Das war es aber auch. Die Grundidee ist überall die gleiche: „Werde Deine Zeug los, aber verlange kein Geld dafür.“ Bei manchen Gruppen wird Tausch akzeptiert, bei anderen nicht. Wir sind da recht straight und verbieten alles, was irgendwie mit Gegenleistungen zu tun hat. Wir möchten, dass Leute ihr Zeug wirklich aus Solidarität abgeben, und nicht, weil sie sich bereichern möchten. Das gab es leider auch schon. Da greifen wir dann aber durch. Andere sind da sicherlich lockerer und drücken mal ein Auge zu. Ansonsten sind die Regeln einfach und klar: Gib, was gut ist und nimm, was Du brauchst.

An der Basis der Gruppe gibt es nicht nur eine Idee des “Sparens”, sondern eine Idee, die wir als “Politik” definieren können: Recycling, Solidarität, Umweltschutz. Stimmt das wohl?

Free Your Stuff ist in erster Linie wohl Anlaufstelle für Leute, die wenig Geld haben. Das ist in Ordnung und gewollt. Aber es gibt genauso Leute, und da gehöre ich dazu, die sagen, dass da mehr dahintersteckt. Letztes Jahr habe ich mal grob überschlagen, wie viel Müll wir ungefähr mit unserer Gruppe seit der Gründung vermieden haben. Grundlage waren hier die Menge der Posts, Gewicht des durchschnittlichen Stuffs und eine 50%ige Erfolgsquote. Lange Rede, kurzer Sinn: innerhalb weniger Jahre kamen um die 9 Tonnen Stuff zusammen. Dazu kommt der antikapitalistische Faktor: Wir finden es einfach geil, dem Kapitalismus den Stinkefinger zu zeigen und eine Art Contrakultur aufzubauen.

Was für Leute nehmen an Free Your Stuff Leipzig teil? Wie würdest du den durchschnittlichen Teilnehmer beschreiben?

Unsere Gruppenstatistik sagt folgendes: 62% Frauen und demnach 38% Männer. Das Alter schwankt zwischen 18 und 44, wobei sich im Bereich 25-34 auffallend die meisten tummeln. Das kommt, denke ich, vor allem daher, dass viele Leute, die anfangen eine Familie zu gründen, diese Chance nutzen, was irgendwie auf der Hand liegt. Wer aus zwei Haushalten einen macht, hat Dinge zu verschenken, braucht aber auch für neue Erdenbewohner Stuff. Der absolute Großteil der User ist super! Wir bekommen immer wieder positive Rückmeldungen, wie gut das läuft. Was aber auch daran liegt, dass wir mit liebevoller Strenge moderieren und so transparent wie möglich arbeiten. Unser aktuell 4 Menschen starkes Team gibt rund um die Uhr Beiträge frei, moderiert und macht sich Gedanken, wie das alles noch verbessert werden kann. Zeitgleich schlagen wir uns mit Idioten verschiedenster Façon rum. Das Schlimmste für mich persönlich sind Leute, die verschenkten Stuff weiterverkaufen oder Leute, die die Gruppe als Flirtplattform nutzen. Aber wie bereits gesagt. Wir ackern jeden Tag an dem Projekt – und es wird gut – auch wenn wir unsere User immer mal erziehen müssen.

Gibt es Menschen, die niemals in die Gruppe aufgenommen werden? Du hast einmal geschrieben, dass diese Gruppe nicht der Ort für Rassisten und Nazis sei, weil ihre politischen Meinungen dem Geist der Gruppe widersprechen. Ist das immer so?

Korrekt. Wir sperren die Tür zu, wenn Nazis, Rassisten und rechte Spinner anklopfen. Und das hat einen guten Grund. Wir sehen uns als antikapitalistische, feministische und antirassistische Gruppe. Das sind Werte, die nur zusammen funktionieren. Und wer anderen Menschenrechte abspricht, hat in unseren Augen die Möglichkeit auf Free Stuff verwirkt. Sollten wir Leute sehen, die diesbezüglich negativ auffallen, bekommen sie die Tür gezeigt und eine „freundliche“ Nachricht.

Hat es jemals Fälle von Missbrauch der Gruppe gegeben?

Leider ja. Es gab mehrere Fälle, in denen Leute, wie bereits geschrieben, Free Stuff verkauft haben. Das ist moralisch verwerflich und führt bei uns zum Kick. Zudem gab es leider schon Fälle von Leuten, die anderen nachstellten, Betrügern, die ausgeliehenen Stuff nicht zurückgegeben haben und etliche Beleidigungen gegen uns Admins. Manchmal setzt die Erziehung bei einigen leider aus.

Dumme Frage: welche war die lustigste Anzeige, die je veröffentlicht wurde?

Die krassesten und lustigsten Anzeigen sammeln wir intern. Es wurden bereits folgende Dinge verschenkt: ein (Schrott-)Auto, eine ausgestopfte Meeresschildkröte, ein 500kg schwerer Safe und ein selbstgebauter Torso, der aussah wie eine verpackte Leiche. Gesucht wurde bisher eigentlich alles: Von fliegenden Teppichen bis zur Ziege wurde alles benötigt.

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